"Die sozial deklassierten jungen Verlierer rüsten auf"
Kaum eine Institution in Deutschland beschäftigt sich so ausführlich mit der Erforschung von Jugendgewalt wie das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen KFN. Jährlich führen die Wissenschaftler in verschiedenen Bundesländern Schülerbefragungen und Studien zur Gewaltentwicklung unter Jugendlichen durch. Wir fragten den Vorsitzenden des Instituts, Professor Christian Pfeiffer, im Telefoninterview, ob und wenn ja wie das Angebot eines Geschäftes wie pw Outdoor, Defense & More die Entwicklung von Gewalt fördern kann.
Professor Pfeiffer, welchen wissenschaftlichen Zusammenhang gibt es zwischen dem Gebrauch von Spielzeugwaffen wie Softair-Pistolen und tatsächlicher Gewalt?
In Jugendgruppen, in denen verstärkt Gewalt auftritt, haben wir es häufig mit einer Macho-Kultur zu tun. Gediegene Machos bedienen sich gerne solcher Waffen. Wer sich mit einer Softair-Pistole oder einem Messer ausstatten kann, der steigert die Attraktivität innerhalb der Gruppe. Man will es haben, man will Show-Power zeigen. Solche Nutzer von Softair-Waffen sind bereits auf dem Trip in Richtung Gewalt.
Sind Softair-Waffen für solche Jugendliche der erste Schritt zur richtigen Waffe?
Auf jeden Fall unterstützen sie ebenso wie echte Waffen die Macho-Kultur der Gruppe. Die reine Verfügbarkeit von Softair-Waffen stellt an sich allerdings noch keine Gefahr dar, das muss man ganz klar sagen. Erst bei realen Waffen werden Konflikte gefährlich.
Was ist mit Kindern und Jugendlichen, die Softair-Waffen kaufen und benutzen, aber nicht zu solchen Gruppen gehören?
Es besteht nach unseren Erkenntnissen keine Gefahr, wenn man kein Problemkind ist und nicht zu einer Gruppe mit Macho-Kultur gehört. Das Angebot und der Gebrauch von z.B. Softair-Waffen ist niemals ein Allein-Auslöser, sondern nur ein Verstärkungsfaktor in der Gewaltentwicklung. Hauptfaktoren sind andere wie etwa: Gewalt in der Familie, Drogen/Alkohol, eine miserablen Bildung, soziale Isolation und fehlende Erfolgserlebnisse.
In unmittelbarer Umgebung des betreffenden Geschäftes befindet sich einer der sozialen Brennpunkte unseres Stadtteils. Er ist zwar klein, aber trotzdem macht die Nähe vielen Bürgern Angst.
Ich denke, der Standort wurde bewusst gewählt. Die sozial deklassierten jungen Verlierer rüsten auf, damit lässt sich Geld verdienen. Sie sind begierig nach entsprechenden Waffen und Waffen-Imitaten. Wer arm an Leben ist, möchte reich an Waffen sein - das ist eine alte, aber immer noch gültige Erkenntnis.
Ein Bürgerinitiative will sich nun für die Schließung des Geschäftes stark machen. Macht das Sinn?
Rechtlich wird es da keine Handhabe geben. Eine andere Möglichkeit als zivilen Widerstand gibt es nicht, ein solches Geschäft in die Diskussion zu bringen. Etwas zu unternehmen ist aber auf jeden Fall begrüßenswert - wenn man dabei den Vermieter überzeugen kann, ist der Widerstand vielleicht sogar erfolgreich.
Weitere Informationen zum Thema:
Studien zur Gewaltentwicklung des KFN
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Kommentare
Liebe Leute, bitte bitte mal
Liebe Leute, bitte bitte mal langsam Ende mit diesem Thema. Gibt es in der Südstadt keine echten Probleme? Der Laden ist legal. Er bedient eine vorhandene Nachfrage. Wem das nicht gefällt sollte sich um die kümmern, die dort einkaufen. Ist natürlich schwieriger und irgendwie igitt. Ergebnis dieser Diskussion ist, dass sich plötzlich alle möglichen Leute genötigt fühlen Farbe zu bekennen, ob sie "für" oder "gegen" den Laden sind. Sogar die arme Vermieterin wurde schon zur Gewissensprüfung genötigt. Oder ein 10jähriger Junge, ganz toll. Eine ätzende Stimmung ist das. Polarisierend, ausgrenzend. Gehörst Du zu "uns" oder zu "denen"? Auch der Name unter dem diese Diskussion geführt wird: "Waffenhandel". Na, Waffenhändler will man doch nicht unterstützen, oder? Aber ist das wirklich Waffenhandel? Oder werden hier nicht übel demagogisch Kampfbegriffe eingesetzt, die die Diskussionslinien von vorneherein auf das Ausgrenzungsmuster festlegen? Alle möglichen Leute nutzen das Thema um sich als besonders gute Menschen oder kompetente Wissenschaftler zu profilieren. Oder als welche, denen das Veedel besonders am Herz liegt, natürlich am besten gesäubert von Waffenhändlern und ihren Kunden. Sollen die doch nach Kalk gehen, wo sie hingehören, jedenfalls nicht zu uns. Wo soll das denn hinführen? Im Sommer vielleicht eine kleine Diskussion über südstädtisch passende Kleidung?
Herr Pfeiffer mal wieder...
Ich glaube nicht, dass Herr Pfeiffer der richtige Ansprechpartner für solche Fragen ist. Offensichtlich lebt er in seiner eigenen Welt, die aber so gut wie gar nichts mehr mit der Realität in Deutschland zu tun hat, das hat er schon mit Aussagen zu anderen Themen deutlich bewiesen: falsche Schlussfolgerungen, schlampige Gutachten usw. Herr Pfeiffer scheint ein selbsternannter "Experte" für so ziemlich alles zu sein, was ihn in die Medien bringt. Einfach mal googeln und sich über die sonderbaren Thesen wundern. Mich würde mal interessieren, was seine Kollegen so von ihm und seinen Aussagen halten...
Aber eines kann er wirklich gut: Leser in ihrer bereits vorgefassten Meinung bestärken, so daß sie auch noch glauben, sie wären im Recht.
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