Rotlicht statt Grüngürtel?

Prostituierte gegenüber von McDonald's, Sado-Maso an der Alteburg, Saunaclubs unweit des Temma - ist das denkbar? Bei der Stadt Köln gibt es offenbar ernsthafte Überlegungen, mehrere Einrichtungen des Rotlichtmilieus im Kölner Süden zu bündeln.

Demnach soll unter anderem das "Pascha", laut Eigenwerbung "Europas größtes Laufhaus" und derzeit noch in der Hornstraße ansässig, im kommenden Jahr einen Neubau an der Koblenzer Straße beziehen. Bereits seit längerem sucht das Bordell nach größeren Räumlichkeiten. Nach Informationen unserer Redaktion hat man sich nun mit der Stadt auf einen Umzug nach Bayenthal geeinigt - für den Fall dass der Neubau der Fachhochschule auf dem Gelände der ehemaligen Dombrauerei nicht kommt (wir berichteten am Donnerstag). Nicht nur das Pascha soll vor die Tore der Südstadt ziehen - eine ganze Reihe anderer Bordelle auch. Räkeln sich dort, wo mal im Grüngürtel die Wissenschaft blühen sollte,  schon bald im Rotlicht hunderte von Callgirls?

Der Kölner Ordnungsamtsleiter Robert Kilp hatte bereits im Dezember, als die FH-Neubaupläne endgültig ins Wackeln gerieten, einen runden Tisch einberufen. Neben dem obersten Ordnungshüter der Stadt selbst saßen daran auch Polizeichef Klaus Steffenhagen und die Geschäftsführer von fünf Einrichtungen aus dem Rotlichtmilieu, darunter Pascha-Chef Armin Lobscheid und der neue Inhaber des "Cesar's Palast" auf der Merowinger Straße, Keywan Niroumand.

Die Stadt wolle die Rotlichtbranche auf dem Gelände der einstigen Dombrauerei zentralisieren, verkündete Kilp bei dem Treffen mit Verweis auf ein Richtungspapier von Stadtdirektor Guido Kahlen. So solle einerseits das Angebot für interessierte Bürger gebündelt und überschaubarer gemacht werden. Andererseits käme nach der Fertigstellung der Nord-Süd-Bahn die verbesserte Verkehrsanbindung auch zahlreichen Betrieben des Rotlichtmilieus zugute. Für die Polizei wie für die Betreiber habe die Bündelung den Vorteil, dass die Kriminalität besser kontrolliert werden könne.

Geht es nach dem Willen von Stadt und Polizei, dann soll auch die Straßenprostitution von den Ausfallstraßen wie der Brühler Straße weggeholt und in Bayenthal ansässig gemacht werden. Vor allem das Problem der Gewalt gegen Frauen durch Zuhälter sei so besser in den Griff zu bekommen, sagte Steffenhagen. Ein städtisches Stundenhotel knüpfe da durchaus an eine Tradition an: Das Gebäude, in dem heute das Pascha ansässig ist, wurde 1974 als Dirnenhaus von der Stadt Köln gebaut.

Um den Umzug zahlreicher Betriebe nach Köln-Süd zu unterstützen, werde die Stadt gemeinsam mit dem landeseigenen Baubetrieb BLB, dem die Grundstücke gehören, Fördergelder aus dem EU-Strukturfonds beantragen. Damit könne zumindest ein Teil der Brache an der Alteburger Straße neu bebaut werden. Die Anträge seien vorbereitet. Sobald die Entscheidung gegen einen FH-Neubau im Kölner Süden gefallen sei, könne man loslegen.

Die Prostitution gilt als einer der wichtigsten Wirtschaftszweige für Köln. Mit bis zu 30.000 Besuchern pro Monat, vor allem in Messezeiten, hat allein das Pascha einen geschätzten Jahresumsatz von 45 Millionen Euro. Der Betrieb beschäftigt 150 Frauen und 90 Festangestellte.

"Von der Wirtschaftskraft und den entstehenden Arbeitsplätzen können auch die angrenzenden Stadtteile profitieren", heißt es in dem Richtungspapier des Stadtdezernenten, das "Meine Südstadt" vorliegt. Dies sei für die knapp 2.000 Arbeitslosen in Bayenthal und Neustadt Süd "eine gewaltige Chance".

Vier der fünf Rotlicht-Größen erklärten sich nach Informationen von "Meine Südstadt" zum Umzug bereit, darunter auch Pascha-Chef Lobscheid. Bei zwei weiteren Treffen im Januar und März wurden die Modalitäten festgezurrt. Speziell die Anforderungen des Pascha werfen derzeit aber noch bauliche Probleme auf. Traditionell sei das Pascha ein Hochhaus, so Geschäftsführer Lobscheid gegenüber unserer Redaktion. Auf dem betreffenden Gelände in Bayenthal dürfe man aber derzeit nur siebengeschossig bauen: "Daran müssen wir noch arbeiten".
 
Ignaz Wrobel


Kommentare

welchem wahnsinn ist die stadt denn nun schon wieder verfallen?

Das ist jawohl ein schlechter Aprilscherz! Sollen dann die ganzen Arbeitslosen in die Prostitution gehen oder was? Und unser schöner Stadtteil wird von dubiosen Gestalten besetzt. "Für die Polizei wie für die Betreiber habe die Bündelung den Vorteil, dass die Kriminalität besser kontrolliert werden könne." -Haha damit wir das Problem an der Backe haben oder was? Nene die sollen mal schön bleiben wo sie sind. Am besten da wo der Pfeffer wächst! Ich will später mal an der FH studieren also soll die bitteschön auch dahin gebaut werden wo sowieso schon so viele FH's sind (KISD usw.) Dann soll man lieber die Studenten bündeln! Die werden doch sowieso schon benachteiligt...

na ist doch prima, dann weiß

na ist doch prima, dann weiß ich ja, wo ich meine Mittagspause verbringen kann ;-) April, April ...

Guter Aprilscherz ;-)

Guter Aprilscherz ;-)

Und das ist gut so!

Boomende Wirtschaftszweige im Kölner Süden, das begrüßen wir von Herzen. Neben den zu erwartenden Einnahmen darf auch mit einer Belebung des zuletzt verschlafenen Nachtlebens in der bravgrünen Nachbarschaft gerechnet werden. Das Ausgehen zwischen Severinspforte und Großmarkt empfand doch mancher Familienvater in den letzten Jahren als wenig inspirierend. An der Front dürfen wir also einiges erwarten. Es wäre zudem gut, wenn die Stadt Köln ihre alten Pläne, die sie mit zwei kosovarischen Familienbetrieben schon vor drei Jahren angedacht hat, umsetzen würde, wonach der Raum der U-Bahnstationen Bonner Wall und Chlodwigplatz bis zur Fertigstellung (voraussichtlich Winter 2024) ganz im Sinne der Erotik umgestaltet würde. Ich erinnere an die Expressschlagzeile: Pascha goes Underground. Um es kurz zu machen. Endlich mal good news. Da kriegt man richtig Lust auf die Südstadt.

Das darf doch wohl nicht wahr

Das darf doch wohl nicht wahr sein!!! Da müssen wir was tun. Die Argumente sind so fadenscheinig. Da zählt doch nur die Kohle. Warum spannen die nicht gleich auch die vielen Kinder der Koblenzerstr. mit ein? Die wohnen ja praktischerweise gleich nebenan. Zum Pariserwegfegen und Spritzen einsammeln. Für eine noch schönere Kindheit. Ich halte es nicht aus. Was für eine Vorstellung! Ich nehme an, die Stadtplaner wohnen mit ihren süßen Kleinen woanders. Schön weit weg vom geplanten Brennpunkt inmitten eines friedlichen Wohngebietes. Südstädterin & Mutter

Nein, nein, nein!

Das darf doch nicht wahr sein. Wir dürfen nicht alles mit uns machen lassen! Was kann man als normaler Bürger tun?

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