Bahnübergang am Chlodwigplatz, Köln

Chlodwigplatz nach dem Unfall: Weiterhin kein Durchblick

 Ein 11-jähriger Junge liegt mit gebrochenen Beckenknochen im Krankenhaus. Er war am vergangenen Donnerstag am Chlodwigplatz von einer Straßenbahn erfasst worden. Zum Glück wird er wohl keine bleibenden Schäden davontragen - doch das Geschehnis hallt nach. Zahlreiche MEINE SÜDSTADT-Leser haben sich nach unserem Unfall-Bericht in die Diskussion um die Verkehrssituation am Chlodwigplatz eingeschaltet - mit wütenden, auffordernden, besorgten, geschockten Kommentaren. Unsere Reporter werden Eure Gedanken in den kommenden Tagen aufgreifen und der Frage nachgehen: Wie kann der Chlodwigplatz sicherer werden?
 
Ungefähr so wie auf dem Foto oben muss die Sicht gewesen sein, die der Junge auf die herannahende Straßenbahn hatte: Ein Bauzaun, der den zukünftigen U-Bahn-Abgang begrenzt, versperrt den Blick. Er ist vollgeklebt mit Resten von Plakaten. Übersichtlich ist anders. Leserin Antje findet das ziemlich gefährlich: "Diverses Baumaterial, wie Bauzäune rund um die Baustelle Chlodwigplatz versperren einfach die Sicht, um diesen Bahnübergang vernünftig zu überqueren zu können. Ich muss auch immer inne halten und mich mehrfach umsehen, wenn ich dort die Gleise übertreten möchte. Die KVB muss endlich handeln - als Bauherr steht sie doch in der Verantwortung!!!"
 
Das ist richtig - die KVB ist verpflichtet, den Bauzaun von Plakaten zu befreien. "Sobald etwas hängt, müssen wir es entfernen", sagt Unternehmenssprecher Joachim Berger. "Wildes Plakatieren geschieht dort immer und immer wieder, denn die Veranstalter in Haftung zu nehmen ist schwierig".
 
Warum, fragen wir also weiter, sucht man dann auf KVB-Seite nicht gleich nach besseren Lösungen, ohne Plakatiermöglichkeit? Warum legt man keine flache Platte über den Zugang, über die auch Kinder einfach hinweg sehen könnten?
 
Bei den Verkehrsbetrieben empfindet man offenbar keinen akuten Handlungsdruck. "Es bieten sich Lösungen an, zum Beispiel Verschalungen", formuliert Berger. "Wir prüfen so etwas, aber da muss begangen werden, da müssen Belastungen geprüft werden, da müssen Sicherungsmaßnahmen getroffen werden". Das ist verständlich. Aber nach diesem Unfall erwarten viele Südstädter eine gute und auch schnelle Lösung, damit nicht noch ein Unfall geschieht. Bis wann können wir denn damit rechnen? "Das kann dauern", sagt Berger. Das ist nicht die richtige Antwort.
 
 


Kommentare

Es wird gedeckelt

Heute rief mich die Pressesprecherin der KVB an.

Sobald das Material da sei, werden die Ausgänge am Ubierring gedeckelt. Sie rechnet mit Mitte August, wollte sich aber nicht festlegen. Diese Deckelung sei schon länger geplant und es gebe keinen zeitlich-planerischen Zusammenhang mit dem Unfall.

Andrea

Was ist die Kölner Unfallkommission

Die Stadt Köln definiert auf ihrer Website: http://www.stadt-koeln.de/4/verkehr/verkehrssicherheit/00316/ die Arbeit der Unfallkommission so:

"Die Unfallkommission arbeitet auf gesetzlicher Grundlage des Landes Nordrhein-Westfalen. Ständige Mitglieder sind das Amt für Straßen und Verkehrstechnik als in Köln zuständige Straßenverkehrs- und Straßenbaubehörde und die Polizei. Soweit erforderlich, werden im Einzelfall auch weitere Stellen hinzu gebeten, so etwa Vertreterinnen und Vertreter der Bezirksregierung, des Öffentlichen Personennahverkehrs oder der Schulbehörde.

Zentrale Aufgabe der Unfallkommission ist die Beseitigung von Unfallhäufungspunkten.

Alle Unfälle im Kölner Stadtgebiet werden von der Polizei in einer Unfalltypensteckkarte festgehalten. Kriterien auf dieser Karte sind die Unfallkategorie, hier wird die Schwere des Unfalles bewertet, und der Unfalltyp, also die Konfliktsituation, aus der der Unfall entstanden ist. Wird an einer Örtlichkeit eine Häufung von Unfällen gleichen Typs festgestellt, wird diesbezüglich eine Unfalldatenliste und ein Kollisionsdiagramm erstellt. Diese Straße beziehungsweise Kreuzung wird als Unfallhäufungspunkt der Unfallkommission gemeldet.

In der Unfallkommission werden die einzelnen Unfallhäufungspunkte von den zuständigen Fachkräften der Verwaltung und der Polizei besprochen und darauf überprüft, ob durch straßenbau- und/oder verkehrstechnische Maßnahmen eine Entschärfung möglich ist. Angeordnete Maßnahmen der Unfallkommission werden mit vorderster Priorität umgesetzt.

Die Unfallkommission tritt, je nach Bedarf, in zwei- bis vierwöchigem Tagungsrhythmus zusammen. Bei tödlichen Verkehrsunfällen wird umgehend ein Ortstermin vereinbart, bei dem vor Ort mögliche Verbesserungsmaßnahmen erörtert werden, die schnellstmöglich zur Ausführung kommen."

Oh wow

Das Kollisionsdiagramm für den Chlodwigplatz würde ich gerne mal sehen!

Chlodwigplatz

Sehr geehrte Damen und Herren,
für die Leitung der Unfallkommission möchte ich zunächst zum Ausdruck bringen, dass wir den Unfall des 10jährigen Jungen sehr bedauern. Wegen dieses Unfalls fand einen Tag später eine Ortsbesichtigung statt, an der ein Vertreter der Polizei und der Stadt Köln (Amt für Straßen und Verkehrstechnik) beteiligt waren. Hier wurde auch festgestellt, dass die Sicht auf die anfahrenden Bahnen bei Annäherung an die Gleise durch die wild angebrachten Plakate beeinträchtigt werden kann. Hält man dagegen an dem gelben Noppenstein an und überblickt von hier aus noch einmal die Gleise, ist die Sicht auf die Bahnen gut. Dennoch wurde veranlasst, dass die vorhandenen Plakate von allen Zäunen (damit auch im Bereich Bonner Str. und auf allen Abgängen des Ubierringes) kurzfristig entfernt wurden. Zusätzlich soll zukünftig der Takt der Kontrollen auf wildes Plakatieren verstärkt werden. Die eigentliche Entscheidung, ob der Bereich aber nun "gedeckelt" werden kann, obliegt der KVB die jedoch auch bereits durch die Stadtverwaltung und auch durch die zuständige Be-zirksvertretung um Prüfung gebeten wurde.
Zur weiteren Erhöhung der Verkehrssicherheit für die Fußgänger in diesem Bereich wurde zusätzlich (und unabhängig von dem aufgetretenen Unfall) veranlasst, dass die Zebrastreifen im Bereich des Ubierringes 11 bzw. 18 und im Bereich des Chlodwigplatzes (Höhe Merzenich) aufgefrischt werden.

Mit freundlichen Grüßen
Sabine Bongenberg
Leitung der Kölner Unfallkommission

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