"Dä längste Desch" unter Palmen

500.000 bei Sonne und Soul am längsten Desch

Zufriedene Gesichter überall: über 500.000 Besucher zählten die Organisatoren des 31. Längsten Desch, der am vergangenen Wochenende stattfand. Um 12 Uhr mittags hatte OB Jürgen Roters ganz offiziell die Veranstaltung eröffnet, doch scheinbar war er mit seinen Gedanken bereits in China, wohin er sich mit den Roten Funken und einer Wirtschaftsdelegation schon eine Stunde später aufmachte. Seine Rede wirkte kraftlos und ohne Elan. Weitaus mehr Stimmung brachte da Steffi Bluhme vom Vorstand der "IG Severinstraße" auf die Bühne, die "op kölsch" die Gäste begrüßte und der man anmerkte, das sie sich auf den "Desch" freute. Die beiden Vorsitzenden der IG, Jürgen Pfös und Dr. Thorsten Fröhlich, stellten sich den Fragen der Presse und wiesen schon einmal auf die nächste Großveranstaltung am letzten Oktoberwochenende hin. Dann wird offiziell die Severinstraße mit einem großen Fest und einem Konzert der Bläck Föös eingeweiht. Man ist seitens der Interessengemeinschaft ist sehr interessiert, wie die Besucher das Straßenfest empfunden und welche Wünsche sie für die kommenden Veranstaltungen haben. Die Ergebnisse der durchgeführten Passantenbefragung liegen Mitte der Woche vor - "Meine Südstadt" wird natürlich darüber berichten.

 

Ich habe am Wochenende sehr viele zufriedene Gäste gesehen - besonders imponiert haben mir die Jungs vom Würfelclub Meschenich, die beim musikalischen Höhepunkt auf dem Severinskirchplatz, Linda Freeland und ihrer Band Soulaffair, mit den gut 3000 Zuschauern so richtig mitgegangen sind. Zufrieden waren auch die ansässigen Geschäfte, die teilweise Stände auf der Straße bewirtschafteten und sonntags zwischen 13 und 18 Uhr ihre Pforten öffneten. Für Thorsten Fröhlich war es "der beste Desch aller Zeiten" - von der Stimmung her und vom Umsatz.

 

Lest auch den Artikel: Dä Jubiläums-Desch.

 

Und wie war's für Dich? Sag uns Deine Meinung. Wir wollen auch sehr gerne wissen, wie Du den "Längsten Desch" empfunden hast. Was hat Dir gefallen, bzw. was hat Dich gestört?


Kommentare

d'r desch

Wie schon schon so viele Jahre zuvor wurde uns ein sher viel anspruchsvollerer, mit kulturellen sowie kulinarischen Höhepunkten versehener Desch versprochen- zugegeben: die Vanillemandeln am Stand vor dem Peperoni kannte ich noch nicht! Superlecker. Trude Herr und Willy Millowitsch für mich auch ein Höhepunkt (Trude war im vergangenen Jahr auch ein bisschen besser bei Stimme, aber erkäkltet bin ich gerade auch). Das absolute Highlight allerdings, bei dem ich jedes Jahr nicht umhin komme, dem "bescheuerten Holländer bei der Arbeit zuzusehen" ist- ihr kennt ihn alle- DER BLUMENMANN!!!! Wie jedes Jahr schleppe ich, ohne auch nur eine eizige zu benötigen (die Bude ist rappelvoll) Grünpflanzen, Blühpflanzen, Bonsais (ertsmalig) und alles was droht zu gedeihen nach Hause und auf die Arbeit und jahrzehntelange Erfahrung lässt mich wissen: der hgolländer lügt!!!! Das Zeug geht nicht dienstags oder mittwoch drauf ein, wie ner ver verspricht. Es blüht und gedeiht!!! Jahrzehnte (das weiß ich)- wahrscheinlich Jahrhunderte (das ahne ich)!!!!!

Aber jetzt mal Spass au Seite: Ich finde es eine totsle Abzocke, dass die ohnehin furchtbar gebeutelten Severinstraßenansässigen mit Wuchermieten auf der Straße bei einem solchen fest zur Kasse gebeeten werden! als hätten diese nicht dank der wundervollen U-Bahnplage schon genug Scheiß und Ärger am Hals. Die Defizite, die diese Geschäftsleute, von denen leider immer weniger diese Viertel ausmachen, haben doch tatsächlich andeere zu verantworten. Da können wir uns zwar freuen, dass der "Jim" seine Hemden für 20 Euronrn rausschmeißt, aber bitte nicht, damit ner (zukünftig) seine Miete zahlen kann

besser als erwartet...

viele jahre haben wir den längsten desch gemieden, wie der teufel das weihwasser:
zu lang, zu voll, zu rummelig, zu kölsch selbst für kölsche, vor allem die musik. und die leute!
doch dann lief ich zufällig am samstag morgen mit meinem mann durch die severinstraße, um 10.30 Uhr, eigentlich zum wochenendeinkauf.
was für eine überraschung: eine geschmackvoll hergerichtete straße, gepflegt und sauber herausgeputzt. verschiedene stände mit kunsthandwerk und sämtliche kulinarische leckereien aus aller welt. wir waren sehr erstaunt.
es war noch nicht voll und man konnte sich alles genau anschauen, in ruhe. beindruckt war ich auch von dem langen roten teppich im hirschgäßchen mit den ansässigen goldschmieden und anderen kunsthandwerkbetreibern. an der ecke kartäuserhof fand ich meine lieblingsstrickmütze für den winter. in rot natürlich. direkt nebenan haben wir uns endlich einen organspendeausweis zugelegt.
beim milchcafe in der sonne im cafe schulz waren wir dann doch neugierig auf den bühnenplan vom severinskirchplatz. und siehe da: eine soulband am samstag abend. SOULAFFAIR !!! klang vielversprechend. mit sängerin, aber ohne bass. ansonsten klassische besetzung.
sofort sämtliche leute per sms informiert und um 21 uhr vor der bühne verabredet.
zu acht standen wir dann abends vor der band und intonierten die zweit und drittstimmen
zu soulklassikern wie sex maschine und weitere stücke aus unserer jugend. was für ein vergnügen!!! leider gab es nur eine zugabe. aber egal.
wir wollten sowieso noch weiter zum tanzen in die alteburg, wo roger l. auflegte. sehr überzeugend.
da konnten wir dann die letzten reserven aus uns herausholen, bis 3 uhr in der früh. danach noch in die lotta...zum absacker.
fazit:
wider erwarten hatte sich der längste desch also tatsächlich gewandelt:
geschmackvoller und anspruchsvoller als noch vor einigen jahren. immernoch sehr kölsch, aber eben nicht mehr ausschließlich. man muss halt für sich die rosinen herauspicken, zu den richtigen zeiten, mit den richtigen leuten. dann kann sogar der länste desch wieder richtig spass machen.
betty blue

497.00 plus 3 Immis

Als ich vor 5 Jahren von meiner Heimatstadt Siegen nach Köln in die Südstadt zog, kündigte man mir an, dass ich erst nach 10 Jahren so halbwegs integriert sei. Also bin ich ja noch einige Jährchen davon entfernt, mir eine Meinung aus einem heimatlichen Kontext zu erlauben. Gelingt es mir doch gerade, Kölsche Lieder mitzuträllern und bei Baustellen immer wieder neue Alternativstrecken zu entdecken.

Am Wochenende hatte ich Besuch von guten Freunden aus Siegen, die aufgrund des NRW Festes dort bei mir Zuflucht suchten. Da war der Besuch auf dem traditionellen "Längste Desch" natürlich ein echter Volltreffer. Es war so ungefähr das, vor dem sie eben genau geflüchtet waren. Fress- und Saufbuden und das entsprechende Publikum.

Wir verbrachten dennoch ein schönes Wochenende bei Sonne am Rhein, einer delikaten Brotzeit bei dem charmanten David und diversen Drinks mit musikalischer Begleitung bis in die Nacht im Dinner Club.

Jeder nach seiner façon, das lehrte mich schon meine Oma, eine rheinische Frohnatur.
Sollen doch alle ihre Feste so feiern wie sie wollen.

Der "längste Desch" und ein Sack Reis in China

Wenn man auf die immer wiederkehrende Mischung aus Bierbude, Wurstbude und "Mer sin Kölsche"-Nummer steht, mag der "längste Desch" ein Highlight im Jahresplan darstellen. Dass genau das zum Selbstverständnis der Kölner auch auf höhheren Etagen zählt, haben wieder eindrucksvoll unsere Abgesandten in China demonstriert - leider, denn Köln hat mehr zu bieten als Kölsch, Karneval (bedauerlicherweise sehr verkürzt repräsentiert durch angetrunkene, übergewichtige und arschreibende Männer in Uniformen, die nur innerhalb der Stadtmauern nicht als peinlich empfunden werden) und vielleicht noch Rhein und Dom. Die unsägliche Bewerbung zur Kulturhauptstadt lässt grüßen.

Aber selbst wenn man drauf steht - ich frage mich, wo denn jetztz der Unterschied ist, ob ich auf der Severinsstraße, der Bonner Str., der Venloer Str. oder am Eigelstein feiere. Abgesehen von den kurzen Wegen. Die Fress- und Saufbuden (der meist externen Anbieter) sind identisch, nicht selten auch die zum Verkauf angebotenen Waren. Für Einlegesohlen oder Billigspielzeug brauche ich aber kein Straßenfest. Und die Dauerbeschallung mit den bereits im Genmaterial verankerten Karnevalshits, unterbrochen vom monotonen "und jetzt alle", wirft immer wieder die Frage auf , ob es in Köln nicht doch auch noch andere Bands gibt.

Unter einem Stadtteilfest stelle ich mir etwas anderes vor. Wohl erinnernd, dass der "längste Desch" ursprünglich nichts anderes war als eine Aktion, bei der ausschließlich die ansässigen Gastronomen und Ladenbesitzer ihre Türen öffneten und Waren auf der Straße verkauften (Tisch an Tisch... längste Desch). Und dabei bei einem Kölsch mit den Kunden und Anwohnern ein Schwätzchen hielten.

(Der Zwang zur?) Kommerzialisierung macht eben aus einer netten Idee nicht selten ein austauschbares Event. Ob ein Großteil der Geschäftsleute der Severinsstraße tatsächlich davon profitiert hat - das wäre interessant zu erfahren. Dass die Externen bei 500.000 Besuchern zufrieden waren, glaube ich gern.

Insofern stört mich der "Längste Desch" nicht, aber er interessiert mich auch nicht besonders. Ungefähr so viel, wie der berühmte Sack Reis in China, der umkippt. Obwohl ich im Severinsviertel wohne. Und Kölner bin. Irgendwie schade. Aber wenn er so viele Menschen angezogen hat, können die Veranstalter nichts falsch gemacht haben. Sie sollten allerdings zur offiziellen Einweihung der Severinstraße - zwischen "längstem Desch" und Karnevalsbeginn am 11.11. - die Banner austauschen. Nur, damit keine Irritationen auftreten...

Heino Schütten

hier klappt nix.... Desch, der zweite....

Wie schon so viele Jahre zuvor wurde uns ein sehr viel anspruchsvollerer, mit kulturellen sowie kulinarischen Höhepunkten versehener Desch versprochen- zugegeben: die Vanillemandeln am Stand vor dem Peperoni kannte ich noch nicht! Superlecker. Trude Herr und Willy Millowitsch für mich auch ein Höhepunkt (Trude war im vergangenen Jahr ein bisschen besser bei Stimme, aber erkältet bin ich gerade auch). Das absolute Highlight allerdings, bei dem ich jedes Jahr nicht umhin komme, dem "bescheuerten Holländer bei der Arbeit zuzusehen" ist- ihr kennt ihn alle- DER BLUMENMANN!!!! Wie jedes Jahr schleppe ich, ohne auch nur eine einzige zu benötigen (die Bude ist rappelvoll) Grünpflanzen, Blühpflanzen, Bonsais (erstmalig) und alles was droht zu gedeihen nach Hause und auf die Arbeit. Und jahrzehntelange Erfahrung lässt mich wissen: der Holländer lügt!!!! Das Zeug geht nicht dienstags oder mittwochs drauf ein, wie er verspricht. Es blüht und gedeiht!!! Jahrzehnte (das weiß ich)- wahrscheinlich Jahrhunderte (das ahne ich)!!!!!

Aber jetzt mal Spass auf Seite: Ich finde es eine totale Abzocke, dass die ohnehin furchtbar gebeutelten Severinstraßenansässigen mit Wuchermieten auf der Straße bei einem solchen Fest zur Kasse gebeten werden! Als hätten diese nicht dank der wundervollen U-Bahnplage schon genug Scheiß und Ärger am Hals. Die Defizite, die diese Geschäftsleute, von denen leider immer weniger diese Viertel ausmachen, haben doch tatsächlich andere zu verantworten. Da können wir uns zwar freuen, dass der "Jim" seine Hemden für 20 Euronen rausschmeißt, aber bitte nicht, damit der (zukünftig) seine Miete zahlen kann.

Fazit: Für meinen Geschmack sollte das Fest im Viertel bleiben, die ansässigen Geschäfte mit attraktiven (aber bitte das dann auch- kein Mensch braucht den vierzigsten, ultimativen Handyvertrag oder den dreihundertsten Vien Chung Kursus): offene Geschäfte, ein Kinderkarussell von mir aus, was leckeres (!) zu essen und ein nettes Bühnenprogramm. Ich hoffe und denke, dass können die Serverinsträßler selber (vielleicht bis auf den Holländer), dann wird das auch anspruchsvoller!

Inez

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