Lichtung

Ubrierring 13
50678 Köln
0221 80148450


Café, Kunst, Kultur, Club - das alles kann die Lichtung. So vielfältig wie der Ort, sind auch die beiden Inhaber, Michael Kaffei und Michael Steinrücke. Beide haben sie einen sehr bunten und kurvenreichen Werdegang. Der eine schreibt drei gelernte Berufe, der andere 43 ungelernte Berufsbilder seiner Person zu. Auf einer der vielen Kurven im Leben trafen sich die beiden 1993 in der ehemaligen Farina-Fabrik in Ehrenfeld. Michael Steinrücke war damals dort tätig - er baute Lofts in dem alten Industriegebäude, und belebte es mit einer Veranstaltungsbühne, wo zahlreiche, viel besuchte Partys stattfanden und auch Musiker auftreten konnten. Über diesen Weg lernten sich die beiden Michaels kennen. Der eine machte Musik, der andere die Partys, beide lieben die Subkultur, sind Nachtmenschen und können gut miteinander. So entsteht dann 2009, aufgrund Kaffei´s Jobverlust als Werbegrafiker, die Idee einen Kulturladen aufzumachen. M. Steinrücke ist zu der Zeit sein Berater, und steigt dann später mit ins Boot.


Kaffei kommt ursprünglich aus der Nordstadt, wogegen Steinrücke langjähriger Südstädter ist. Er wohnt in einem restaurierten Altbau in der Rolandstraße, einem Wohnprojekt im Hinterhaus, und hat schon immer die Kneipen- und Musikszene der Südstadt verfolgt, bzw. aktiv mitgestaltet. Viele seiner Lieblingskneipen machten dicht. „Die Südstadt wurde einfach zu schnarchig.“ Schon lange liebäugelte Kaffei mit dem leer stehenden Erdgeschoss am Ubierring 13, bis endlich, Ende 2009, das Objekt vermietet werden sollte. Er und sein Berater Steinrücke setzten sich gegen 110 weitere Interessenten durch, und seit dem 2. Januar 2010 kann man nun jeden Abend (außer montags) dort einkehren.

 

Wenn auch der Eingang erstmal skeptisch machen kann, und es vielleicht eher nach autonomem Jugendzentrum aussieht, lohnt es sich, einmal neugierig hinein zu gehen. Im hinteren Teil des Raumes wird es mit Theke, Sofas und kleiner Bühne gemütlich. Ein kleiner Innenhof mit Fensterfront lässt aufatmen, wenn man beim Eingang noch denkt, man verließe hier das Tageslicht. Die Wände zeigen, je nach aktueller Ausstellung Bilder, Photos, Drucke, und beleben die freundlich hellgelben Wände. Hier ist der tägliche Kneipenbetrieb und hier finden diverse Konzerte statt. Sobald ein Schlagzeug dabei ist, kommen die Musiker und ihr Publikum in den Keller, um die Anwohner zu schonen. Hier sei gesagt, es sind bereits mehr als 1000 Künstler aufgetreten - ohne Beschwerden der Anwohner. Über die Hälfte der Veranstaltungen sind Konzerte, neben Lesungen, Kabarett, Ausstellungen und deren Eröffnungsfeiern, sowie sonntäglichem Jive-Workshop. Für die meisten der Veranstaltungen gilt: "Eintritt frei". Die gesamte Lichtung ist zudem rauchfreie Zone.


Die Lichtung ist absichtlich nicht so ein aufgemotzter, stylischer Ort, der schon von weitem auffällt. Lichtung heißt sie, weil sie wie selbige im Wald, zufällig und voller Freude, entdeckt werden will. Und das merkt man dann auch dem Publikum an. Die sind interessiert an der Musik oder freuen sich an dem gebotenen Vortrag. Dazu können sie ein gutes Glas Wein trinken (€ 3,50 im 0,2 l-Glas) oder ein Kölsch aus der Flasche (€ 2,40). Antialkoholisches gibt es günstig, zum Beispiel eine Vielzahl von Säften für jeweils nur 2,- Euro. Eine gute Kaffeemaschine ist ein enorm wichtiger Bestandteil der Lichtung.  Zu essen wird in der Regel nichts angeboten.
Wer in der Lichtung feiern möchte, dem wird ein Eckchen reserviert, während der reguläre Betrieb weitergeht. Wer dazu einen Topf Suppe o.ä. mitbringen möchte, kann das ohne Aufgeld machen. Ein Gabentisch und Wasser für Blumen gibt’s dazu.

Interessant ist, dass die beiden Michaels ihren Club aus Sicht der Stadt illegal führen. Die Stadt Köln sah in ihrem Flächennutzungsplan nicht vor, dass in die Südstadt ein derartiger Veranstaltungsort einzieht. Man will unseren Stadtteil wohl gediegener halten. Die Michaels interessierte dies wenig, und bisher haben sie sich immer gut gegen die Ämtermacht durchsetzen können. Und das ist erfreulich, denn Orte wie diese, an denen man für wenig bis kein Geld in gemütlichem Rahmen, gut gemachte Musik hören, zudem Kunst, Kneipe und sonstige Bühnenaktionen genießen kann, gibt es in Köln viel zu selten.

 

Wer selbst Künstler ist,  kann sich gerne bei der Lichtung melden. 8000 Mails sind in ihrem Postfach bereits angekommen. Für alle haben sie sich Zeit genommen, die Musik angehört, den Künstler kennen gelernt. Vor allem Künstler, die daran interessiert sind, Bilder auszustellen, sind sehr willkommen.

 

 

Sonja Alexa Schmitz